Sonntag, 7. Oktober 2012

Japanischer Sommer

Lange habe ich hier nichts mehr über mein Leben in Japan geschrieben. Das möchte ich nun nachholen.

Ich bin jetzt ein halbes Jahr hier und es ist in der Zwischenzeit einiges passiert.
Ich werde den Eintrag ein wenig gliedern. Wenn mir beim Schreiben auffällt, dass ich zu allen Themen sehr viel zu sagen habe, teile ich ihn vielleicht in mehrere Beiträge auf.

Da nun der Herbst anfängt, beginne ich mal mit einem kleinen Rückblick auf den Sommer.
Der Sommer in Japan ist wirklich warm! Soviel kann ich euch sagen.
Wer mal wieder einen Richtigen erleben möchte, mit ganz viel Sonne und wenig Regen, kann getrost nach Japan reisen. Ich denke, die Flüge werden zu dieser Zeit auch billiger sein, denn freiwillig tut sich das kaum jemand an.
Schon im Mai war es mir eigentlich zu warm. Es waren da noch um die angenehmen 24 Grad, aber weil ich gerade aus dem kalten Deutschland kam, empfand ich es als tierisch warm.
Ich zwang mich dazu morgens noch einen Pulli zu tragen, in der Hoffnung meinen Körper so schonmal ein wenig auf die Hitze im Sommer vorbereiten zu können. Spätestens um 10h musste ich ihn aber immer ausziehen.
Langsam aber sicher fingen die Temperaturen an auf die 30 Grad zu zu klettern. Inzwischen hatte ich mich damit abgefunden zu schwitzen und kümmerte mich gar nicht mehr sonderlich drum.
Ich muß bei der Arbeit in langärmligen Sachen arbeiten. Also lange Arbeitshose, langärmliges Top. Man gewöhnt sich daran. Ich hatte wirklich gedacht, dass mir der Sommer und die Arbeit mehr Probleme bereiten würde. In Deutschland habe ich die Hitze schon nicht gut vertragen und hier sollte es locker an die 40 Grad heiß werden..
Wurde es auch. Ich habe ab und zu bei 37/38 Grad den ganzen Tag in der prallen Sonne arbeiten müssen. Mein Geheimnis: ein Strohhut mit sehr breiter Krempe und gaaaanz viel trinken!
Da mir bei diesem Wetter auch der Appetit etwas vergangen ist, habe ich nebenbei auch mal eben 6kg abgenommen. Inzwischen bin ich meinem Wunschgewicht relativ nah. Ich liebe den japanischen Sommer!
In meiner Freizeit war die Hitze allerdings mehr als nervig. Das Haus, in dem ich wohne, liegt in einer Senke. Egal wo ich hinfahre, ich muß erstmal bergauf. Und der Berg ist, typisch für Japan, ziemlich steil. Bevor ich also überhaupt am Bahnhof ankam, war ich schon wieder total verschwitzt..
Ein ziemlich blödes Gefühl, wenn man sich noch mit anderen Leuten treffen möchte. Große Abhilfe gibt es hier nicht. Bei der Arbeit war es ja ziemlich egal wie sehr man geschwitzt hat, denn das haben alle und danach wartete jeden Tag eine Dusche auf mich.
Aber, es gibt auch für die Freizeit einige Tricks, einen lernte ich leider erst zu spät kennen..
Zuallererst laufen alle! Japaner mit einem kleinen Tuch in Waschlappenformat herum. Oft auch aus dem gleichen Material wie diese.
Dieses Tuch dient dazu sich das Gesicht abzuwischen. Das war eins der ersten Dinge, die ich mir besorgt habe.
Die nächste Überlegung waren dann ausschließlich dunkle Tops und möglichst Hosen oder Röcke zu tragen, die ihre Farbe nicht verändern wenn sie feucht werden. Schnell kam ich aber noch auf eine andere Idee. Ich hatte weite luftige Oberteile ergattert unter die ich einfach noch ein Tanktop anzog. So fühlte ich mich wirklich am wohlsten.
Im Sommer lernte ich auch meine japanischen Freunde kennen.
Eine Bekannte, die ich in Deutschland beim Sprachkurs getroffen hatte, hielt sich auch gerade in Tokyo auf und überredete mich zum "Tanz in den Sommer" in der Deutschen Botschaft zu kommen. Eigentlich hatte ich wenig Lust dazu. Ich tanze überhaupt nicht gerne und der Spaß sollte auch noch umgerechnet etwa 30€ kosten. Allerdings lockte mich das Buffet, ich hatte seit langer Zeit kein richtiges Essen mehr gegessen.. Meist nur Salat und Kleinigkeiten aus dem Konbini. Viel gegessen habe ich letztendlich nicht vom Buffet, dafür gezwungenermaßen an zwei Tänzen teilgenommen (ein Tanz von AKB48, bei dem ich aber schnell aufgab, und einer Polonaise). Als es ans Walzer tanzen ging, versteckte ich mich in der äußersten Ecke im tiefsten Schatten, weil ich absolut keine Lust hatte eventuell aufgefordert zu werden. Dort entdeckte mich meine nun Freundin und Tandempartnerin..
Sie sprach mich an, fragte mich ein wenig aus und erkundigte sich, ob ich Interesse hätte Tandem mit ihr zu machen. Ich sollte zu dem Zeitpunkt nur noch für drei Monate in Japan sein, stimmte aber zu.
Nun wollte sie mir noch unbedingt einen Freund von sich vorstellen und zog mich in Richtung Tanzfläche.. Zu meinem Glück verstummte die Musik im richtigen Augenblick und meine neue Freundin war sichtlich enttäuscht. Ich nicht..
Trotzdem kam ich letztendlich nicht drum herum. Mir wurde, als die Party für beendet erklärt war, ihr Freund noch vorgestellt. Im Prinzip wurden wir uns so zweimal vorgestellt, denn meine Bekannte aus Deutschland hatte uns schon miteinander bekannt gemacht.
Jetzt musste ich auch leider nochmal auf die Tanzfläche.. Dieser Japaner findet Standardtänze nämlich wahnsinnig toll und meine Tandempartnerin hat mich dazu gezwungen mit ihm Walzer zu tanzen. Ich habe bis heute die Fotos davon nicht zu Gesicht bekommen und weiß auch nicht ob ich das möchte..

Der August bot dann kaum noch Möglichkeiten uns zu treffen, da wir beide Urlaub hatten. Aber ich wurde kurzfristig zu einem Matsuri in ihrem Stadtteil eingeladen. Eine Freundin von ihr aus der Schweiz war auch gerade da und so wollten wir zu dritt, stilecht im Yukata, zum Schrein gehen und bei den Bon-Tänzen mitmachen.
Kaum war ich in der Wohnung meiner neuen Freundin, hieß es noch der Freund aus der Botschaft würde auch kommen. Wir mussten unsere Yukatas anlegen bevor er kam, denn sie hat nur eine sehr offene Einzimmerwohnung. Es war das erste Mal, dass ich einen Yukata trug und es war wirklich spannend und toll. Aber.. Europäerinnen stehen Yukata wirklich nur selten >.<
Im Laufe des Abends erfuhr ich noch, dass meine Freundin den Freund aus der Botschaft gerne als Bruder bezeichnet. Beides sind Einzelkinder und haben sich ihr Geschwisterkind selbst gesucht.
Außerdem kennt er sehr viele Baumnamen und er versprach mir beim Lernen zu helfen.
So traf ich mich ab und zu mit ihm oder ihr oder auch gerne mit beiden zusammen. Im September verging kaum ein Wochenende an dem ich keinen von beiden sah. So verbrachten wir zum Beispiel einen Spontanausflug in der Präfektur Chiba und liefen einfach planlos durch die Reisfelder. Angeblich sind Japaner überhaupt nicht spontan, aber mit diesen beiden kann man das Gegenteil erleben! Außerdem starteten wir die Kochpartys zu einem bestimmten Thema. Bei der ersten sollte chinesisch gekocht werden und der Abend endete sehr gemütlich bei Kerzenschein und einer Kartenspielpartie auf dem Dach irgendeines Hauses.

Da aber Tokyo nicht weit vom Meer entfernt ist und auch die Berge nah sind, verbrachte ich den Sommer auch dort.
Ich fuhr einmal alleine in die Touristenhochburg Kamakura und holte mir dort den Sonnenbrand des Sommers und traf mich zweimal mit meinem neuen Freund in Hayama am Strand, da das seine Heimatstadt ist.
In die Berge fuhr ich in meinem offizielen Urlaub. Für drei Tage in die Nagano Präfektur in das Ferienhaus eines Kollegen. Wir waren fünf Leute aus der Firma und einer von ihnen hatte noch seine Frau und zwei Kinder mitgebracht. Wir hatten sehr viel Spaß! Zwei Tage später fuhr ich alleine mit einem Leihfahrrad und Zelt beladen in die Gunma Präfektur zum Mount Haruna. Auf Grund seiner Form wird er auch gerne "Little Fuji" genannt. Die Landschaft dort war wunderschön, leider hatte mir nur das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn im Gegensatz zu Saitama regnete es in Gunma häufiger.. So steckte ich beispielsweise mitten am Berg plötzlich in einem Gewitter fest.. Es fing gegen halb 4h an und ich wollte es aussitzen. Irgendwann gab ich auf, das war auch gut so, denn es hörte erst irgendwann mitten in der Nacht auf.. So kam ich völlig durchnässt beim Campingplatz an und musste auch noch im Regen und Dunkeln mein Zelt aufbauen..
Trotzdem war es eine tolle Erfahrung ganz alleine durch das Land zu reisen.
Mein Japanisch ist ja noch wirklich, sehr schlecht, aber ich kam zurecht!
Was auch untrennbar zum japanischen Sommer gehört sind die Semi und die Windglöckchen. Während sich viele über die Semi beschweren finde ich sie total toll. Ich konnte mich gar nicht an ihnen satt hören. Vor allem die Minmin Semi hat es mir angetan.
Die Windglöckchen hängen auf ganz vielen Balkonen. Es sind kleine Glocken meist aus Glas und am Band hängt unten ein größeres Kärtchen, dass die Glocke für Wind noch anfälliger macht. So bimmelt es schon im leichten Wind in hohen Tönen. Dieses Geräusch soll den kühlenden Wind ins Gedächtnis rufen und somit für Abkühlung sorgen.
Ich finde den Klang einfach nur wunderschön. Leider habe ich kein Glöckchen gefunden, das mir vom Design her gefiel und so werde ich nur meine Miniversion aus dem 100¥ Shop mitnehmen, die nicht richtig funktioniert.

Leider gab es auch nicht so erfreuliches im Sommer, wenn es auch eher nur Lappalien sind.. Zum Beispiel tummeln sich in den Koen (dazu mehr im Kapitel Arbeit) mehr Katzen. Das ist ja eigentlich ganz süß, wenn nicht der ganze Spielplatz nach Katzenscheiße stinken würde.
Dann gibt es im Sommer noch Taifune. Ich habe bis jetzt zwei erlebt und der zweite war schon besser auszuhalten als der erste. Mein erster Taifun hat mich nicht schlafen lassen.. Ich war den Abend sogar noch draußen weil mein Gastvater mit mir Glühwürmchen angucken wollte (sie waren in einem Gewächshaus, das war also ok), aber der Wind hat dann später derart ums Haus gepfiffen, dass er mich immer wieder geweckt hat.
Und es gibt die Mücken...
Sie lieben mich.. abgöttisch.. Überall wo Mücken sind, und sie sind an den seltsamsten Orten, bin ich sofort von einer schwarzen Wolke umgeben.
So war ich beispielsweise mit meinem Freund (nicht falsch verstehen, er ist nur ein Freund ^_-) im Botanischen Garten. Wir hatten zwar Anti-Mücken-Spray, es wirkte bei mir aber überhaupt nicht. So sprang er die ganzen Zeit um mich herum und schlug die Mücken wahlweise mit seinem Baumbestimmungsbuch oder meiner Baumliste tot.. Später waren beide Dinge komplett rot gesprenkelt und ich habe zu Hause sehr schnell aufgegeben die Stiche zu zählen. Aber es waren sehr sehr viele!
Leider wird es in Tokyo auch schon im Sommer sehr früh dunkel. Das war das, was mich am meisten irritiert hat. Gegen 6h fing es an und um 7h war es zappen duster. Absolut gewöhnungsbedürftig. Ich bin gespannt wie ich dann mit dem Winter zurecht komme, wenn ich bis zum Sonnenuntergang arbeiten muß. Schon jetzt fängt es an gegen halb 6 dunkel zu werden. Die Zeit, zu der ich meistens die Firma verlasse..
Und das letzte Übel des Sommers sind die Pickel. Ich habe hier derart viele bekommen, das war schon nicht mehr schön. Obwohl ich hart auf die 30 zugehe, war ich vorher schon nicht ganz Pickelfrei, aber hier.. Oh man..
In Deutschland habe ich schon kaum Süßigkeiten gegessen, in Japan habe ich ihnen komplett abgeschworen. Wenn ich hier Schokolade esse, ist alles aus.
Was das angeht freue ich mich wirklich auf niedrigere Temperaturen in der Hoffnung, dass sie wieder auf ein normales Maß absinken.

Wie ihr seht war mein Sommer sehr abwechslungsreich und schön. Und weil die Bilder dazu jeden Post gesprengt hätten, habe ich einfach mal eine Diashow gemacht.
Wahrscheinlich funktioniert die erste Version nicht, wenn man in Deutschland wohnt, dann bitte die zweite ansehen.
Die erste hat aber eindeutig meine favorisierte Musik im Hintergrund ^_-



Ps. Solltet ihr irgendetwas über Japan oder das Leben hier wissen wollen, scheut euch nicht fragen zu stellen ^_-

Kommentare:

  1. Ich fand es auch sehr interessant zu lesen! Danke fürs Teilen deiner Erlebnisse! :)

    Die Videos funktionieren bei mir leider beide nicht, dabei wäre ich auf deine Bilder sehr neugierig gewesen.

    Was die Mücken angeht, so drücke ich die Daumen, dass die Viecher bald von dir genug haben! Ich war früher auch so ein Mückenmagnet, aber seit einigen Jahren habe ich von den Biestern meine Ruhe und keine Ahnung warum ... :)

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  2. Oh, das ist ja doof... Ich habe nur für das eine Video eine Benachrichtigung von Youtube bekommen, deshalb dachte ich das andere geht :( Ich werde es einfach nochmal ohne Musik hochladen.
    Danke für den Tip^^
    In Deutschland hatten es die Mücken auch nie so sehr auf mich abgesehen. Aber hier... Naja^^
    Vielen Dank für's Daumendrücken ^_-

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  3. So, mit diesem Link funktioniert es hoffentlich >.<
    http://youtu.be/z6NmFOcuDPI

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  4. Das freut mich :)
    Aber schade ist es um die Musik..
    Funktionieren tut das zweite aber seltsamerweise bei anderen Leuten..

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