Dienstag, 30. Oktober 2012

Die Arbeit..

Ich habe euch nun schon ein wenig über den Sommer in Japan berichtet, jetzt möchte ich euch ein bisschen über die Arbeit erzählen..






Ich bin als Gärtnerin in Japan. Das ist äußerst ungewöhnlich. Jeder vermutet, dass ich in Deutschland studiere und hier nun Auslandssemester mache.
Inzwischen kann ich mich was das angeht aber relativ gut verständlich machen.

Die Firma, in der ich arbeite, ist eine Gartenbaufirma. 
Sie kümmert sich leider weniger um Privatgärten als um öffentliches Grün, aber auch das kann sehr spannend sein.
In Deutschland hatte ich bis dahin nur im Botanischen Garten gearbeitet. So vielseitig die Pflanzenwelt dort war, so habe ich dort nichts halbes und nichts ganzes gelernt. Meine Ausbildung bestand im Prinzip aus einer Hälfte Staudengärtner und zur anderen aus Garten- / Landschaftsbau. Beides habe ich nicht intensiv gelernt. Deshalb kommen mir hier jetzt viele Dinge bekannt vor, aber ich lerne auch sehr viel Neues.
Die ersten Monate war ich fast ausschließlich der Kōen-kanri Truppe zugeteilt. Sie besteht eigentlich aus zwei Leuten, aber am Anfang waren wir oft zu viert unterwegs, später nur noch zu dritt.
Um die Kōens und diesen Arbeitsplatz zu verstehen, muß ich erstmal erklären was sie sind und wie sie genutzt werden.
Kōen bedeutet übersetzt einfach "Park". Nun sind sie aber nicht unbedingt das was wir Deutschen uns unter einem Park vorstellen.. Die meisten Kōen würden wir als Kinderspielplätze bezeichnen.
Sie sind kleinere oder größere Freiflächen mit ein paar Bäumen und Büschen, Schaukeln, Klettergeräten, Sandkisten und Bänken. Auf manchen findet man auch Rasen, auf anderen nicht.
Diese Kōen werden nun wirklich vielfältig genutzt. Morgens früh essen dort gerne Angestellte auf dem Weg zur Arbeit ihr Frühstück und lesen Zeitung. Oder Erwachsene legen während des Joggens ein Päuschen dort ein. 
Gegen 9h kommen die ersten Mütter mit ihren Kindern in die Parks. In Japan ist es noch üblich pro Familie zwei Kinder zu haben, weshalb es noch sehr viele Kinder gibt. Zumindest kommt es mir so vor als gäbe es hier mehr Kinder als in Deutschland. Genaue Vergleiche habe ich mir nicht angesehen.
Gegen Mittag gehen die Mütter mit den Kindern wieder nach Hause um dort zu essen. Nun kommen als allen Ecken Angestellte aus nahe gelegenen Firmen oder Bauarbeiter oder sonstige Leute, die draußen arbeiten. Jetzt beginnt die Jagd nach den besten Bänken im Schatten, denn all diese Menschen möchten gerne im Grünen ihr Mittag essen. Die Japaner bezeichnen sich selbst als äußerst naturverbunden und naturliebend, weshalb sie auch den kleinsten Flecken Grün nutzen. Außerdem werden zur Mittagszeit die Straßen an den Parks komplett zugeparkt, denn es wird gerne ein Mittagsschläfchen gehalten.
Nach dem Mittag tauchen wieder die Mütter mit den Kindern auf. Auch Kindergartengruppen nutzen die Kōen regelmäßig. Gegen 15h endet die Grundschule. Viele Schulbusse haben eine Haltestelle an einem Park und natürlich wird noch ein wenig dort gespielt bevor es für die Schüler nach Hause geht. Später am Nachmittag kommen auch größere Kinder in den Park um sich mit Freunden zu treffen, Insekten zu fangen und sich sonst wie zu vergnügen. Immer wieder kommen auch Erwachsene in dorthin um eine kurze Pause einzulegen. 
Am Abend gehört der Park dann schließlich den Teenagern, Oberschülern und sonstigen Draufgängern, die gerne Bier trinken und Spaß haben.
Kōen sind außerdem sehr praktisch wenn man auf die Toilette muß, einen Mülleimer sucht oder schnell zwischendurch einen Schluck Wasser trinken möchte. In jedem größeren Park gibt es eine Toilette und einen Wasserspender mit kostenlosem Trinkwasser. 
Da Japaner Grün und Kinder lieben, investieren sie nun auch Geld in die Pflege der Anlagen. Und nun kommt meine Arbeitstruppe ins Spiel.. 
Wir haben 10 Parks zwischen Firma und einem Bahnhof betreut. Alle sind unterschiedlich groß und unterschiedlich ausgestattet.
Montags, Mittwochs und Freitags sammelten wir den Müll ein. Vor allem Montags gibt es dort sehr viel zu tun. Meist haben wir 10kg PET-Flaschen, Dosen und Sperrmüll weggebracht und 120kg normalen Müll. An besonders schlimmen Tagen hatten wir aber zusammen mit Grünabfällen gerne mal insgesamt über 300kg. Entsorgt wird das Ganze im Cleancenter, einer Mischung aus Zwischenmülldeponie und Recyclinghof.
Montags wird dann noch geharkt oder gefegt, je nach Park. Auch im Sommer fallen genug Blätter und Äste von den Bäumen, so dass wir immer gut ausgelastet waren. Zu den übrigen regelmäßigen Arbeiten gehört das Fräsen der Sandkästen, Rasenmähen, Krauten, Gehölze schneiden und Reinigen der Abflüsse.
Im Prinzip ist man also mindestens 3x die Woche in allen Parks, oft häufiger, und bringt sie in Ordnung.


Diese intensive Pflege macht die Kōen wirklich zu Orten, an denen man sich gerne aufhält. Von ein paar Ausnahmen mal abgesehen..

In letzter Zeit war ich aber so gut wie gar nicht mehr in den Kōen und dafür mit anderen Arbeitsgruppen unterwegs. Etwas, das mir großen Spaß gemacht hat, war das Mähen der Uferbereiche des Kuromegawa-Flusses.
Die Ufer werden drei Mal im Jahr gemäht, vielleicht bekomme ich sogar alle drei mit.. 
Das erste Mal, als ich dabei war, war im Hochsommer. Es waren also immer über 30 Grad und es gibt dort keinen Schatten..
Trotzdem habe ich nur einmal schlapp gemacht. Danach habe ich begonnen drei Liter und mehr während der Arbeit zu trinken und ab dem Moment ließ sich das alles gut aushalten. Zumindest so lange ich meinen Strohhut hatte.
Meine Aufgabe bestand nun darin mit dem Freischneider all die Stellen zu mähen, an die die große Mähmaschiene nicht herankam. Oft waren wir zu dritt damit beschäftigt. Später wurde das Heu dann maschinell zu langen Reihen umgeschichtet, die wir per Hand zu Haufen auftürmten und in das firmeneigene Müllauto luden. Aber damit war die Arbeit noch nicht getan. Da die Ausschreibung von einer öffentlichen Stelle ausging, mussten alle möglichen Fotos als Beleg für die getane Arbeit gemacht werden. Das beinhaltete Fotos von vorher, während der verschiedenen Arbeiten, und nach der Arbeit mit einem Zentimetermaß, dass beweisen sollte, dass wir das Gras auf eine bestimmte Länge gemäht hatten. Dann wurden noch die Ufer vermessen, also die Breite, die wir gemäht hatten, das machte oft auch noch mal 3 Fotos, da es sich bei den Ufern um einen Damm handelt. Oft 2 Schrägen und eine gerade Fläche. Fotografiert wurde alle 60m auf einer Länge von einigen Kilometern. Genaue Zahlen habe ich nicht, aber angefangen haben wir bei Zahl 64 und aufgehört ca. bei Zahl 122, wobei zwischen jeder Zahl etwa 15m liegen sollten. Das Ganze natürlich x2, weil wir beide Ufer gemäht haben.
Jetzt im Herbst bin ich grade das zweite Mal dabei. Für meine Kollegen ist es das dritte und letzte Mal dieses Jahr.



Ansonsten kümmert sich meine Firma noch um diverse Grünstreifen an den Straßen von Asaka. An der Hauptstraße entlang wächst zum Beispiel auf 7km eine Azaleenhecke, die geschnitten werden muß. Gleichzeitig wird dann dort gekrautet.
Im Herbst geht außerdem die Saison los, in der Bäume geschnitten werden. Das läuft in Japan etwas anders als in Deutschland.. Hier herrscht fast immer ein Platzproblem, weshalb die Bäume sich nicht frei entfalten dürfen. Sie werden fast alle in eine möglichst schmale Form gezwungen. Das bedeutet, dass sie jedes Jahr so sehr gestutzt werden, dass sie danach fast keine Blätter mehr haben. Wenn sie aber wieder neue Triebe gebildet haben, hat diese Wuchsform auch durchaus etwas für sich. In Gärten mag ich diese Form der Bäume vielleicht sogar lieber, während ich an Straßen und in Parks doch eher die wilde Wuchsform bevorzuge. Die Ginkgos an der Hauptstraße sehen einfach nur traurig aus..

Ein anderer großer Arbeitsbereich ist die Pflege einer Universität.
In Japan gibt es neben den großen Universitäten wie der berühmten Todai auch viele kleine (private) Unis. 
Meine Firma kümmert sich um eine dieser Kleinen. Sie gehört zu einem ganzen Schulkomplex.
In Japan gibt es die Grundschule, die Mittelschule, Oberschule und Universität. Um auf die nächste Schule zu kommen muß man normalerweise Aufnahmeprüfungen bestehen.
An diesen Privatschulkomplexen mit angeschlossener Universität entfallen diese Prüfungen normalerweise. Der Campus unserer Uni besteht nun aus vier unterschiedlichen Geländen. Außerdem kümmern sich noch drei Angestellte um das Gelände der Grundschule. Bei der Mittelschule und Oberschule war ich bis jetzt noch nicht. Ich habe keine Ahnung ob sich unsere Firma auch darum kümmert..
Dafür aber um den 1 1/2 Stunden entfernten großen Sportplatz der Schule.

In Privatgärten kommen wir auch ab und zu, aber eher selten..
Je nachdem mit welcher Truppe man unterwegs ist, läuft die Arbeit anders ab. Entspannt ist sie aber eigentlich immer.
Ich arbeite von halb 8 bis 17h. Während dieser Zeit gibt es drei Pausen. Die erste um 10h, Mittagspause von 12-13h und die dritte um 15h. Dadurch gliedert sich der Tag in schöne kleine Portionen und während ich in Deutschland Probleme hatte bis 15h zu arbeiten, habe ich durch diese Pausenaufteilung absolut kein Problem bis 17h durchzuhalten.


Wahrscheinlich liegt es daran, dass hier die Pausen länger sind. In Deutschland hatte ich insgesamt 45min Pause und die Frühstückspause war auch nur eine Nettigkeit der Vorgesetzten. Hier habe ich ganze zwei Stunden Pause. In der langen Mittagspause  lohnt es sich sogar sich hinzulegen und zu schlafen. Das sieht dann ganz lustig aus, wenn meine Kollegen und ich es uns an  den lustigsten Stellen bequem machen.. 
So liegen wir auf Rasen in Privatgärten, in Kōen auf Bänken, im Tempel an einer Hauswand oder auf Belüftungsschächten der Universität. Und das Schönste, es stört absolut niemanden, denn es ist normal, das macht hier jeder, der keinen Autositz zur Verfügung hat.
Was übrigens meine Kollegen angeht.. Es hält sich ja die Meinung, Japaner seien immer höflich und sehr kultiviert.. Ja, meine Kollegen sind sehr höflich und kultiviert können sie auch sein, aber ehrlich gesagt sehe ich bei ihnen keinen Unterschied zu deutschen Handwerkern.
Sie haben von Anfang an in Umgangssprache mit mir gesprochen, haben keinerlei Kontaktprobleme und scherzen ganz normal mit mir. 
Es ist einfach super! Außerdem streben Japaner ein hohes Maß an Harmonie an. Man bekommt also niemals einen Streit zwischen den Kollegen mit. Natürlich wird hinter den Rücken gelästert, aber man merkt nie etwas von einer drückenden Stimmung bei der Arbeit. Das macht das Klima sehr angenehm. Möglicherweise bin ich hier der Störenfried, weil ich es nicht immer verbergen kann, wenn ich mal meine Ruhe haben möchte..
Aber, dank dem Streben nach Harmonie bekomme ich es nicht mit, wenn sie sich über mich ärgern. Was natürlich wieder zu dem Problem führt, dass ich eventuelles falsches Verhalten nicht ändern kann, weil mich niemand darauf hinweist..  
Wie man sieht, alles nicht unbedingt leicht, aber ich habe meine Kollegen alle gern!
Es gibt allerdings zwei Kollegen, die nicht so ganz wissen wie sie mit mir umgehen sollen. Hier merkt man ganz klar die Distanz. Es sind beides Absolventen einer Agrar-Universität. Jetzt könnte ich natürlich Vermutungen anstellen was das Verhalten mir gegenüber und die Art der Abschlüsse anbelangt..

Ich hoffe ich konnte euch ein bisschen was Interessantes über meine Arbeit in Japan und das ein oder andere Drumherum berichten.
Es ist aber wirklich ein subjektiver Bericht und kann sicher nicht auf alle Gartenbaufirmen angewandt werden.

Kommentare:

  1. Naaa kennst du mich noch? :D
    Ich habe grade einen Post über MMOs gemacht und da musste ich irgendwie an dich denken. xD Da fiel mi auch auf, dass ich schon ewig nichts mehr von dir gehört und garnicht mehr bei dir kommentiert habe >.< Dumme Bloggerpausen bei mir..

    Wie geht es dir? :) Spielst du noch WoW?

    Liebe Grüße

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  2. Hi Gwyneth^^
    Klar erinner ich mich noch^^
    Mir geht es gerade Bestens. Japan tut mir einfach gut, weshalb es mir schwer fallen wird wieder zurück nach Deutschland zu gehen..
    Ich spiele aber trotzdem noch WoW >.<
    Da ich sparen muß wollte ich eigentlich mit Ende meines Jahrespasses aufhören, aber mein Gildenmeister war sehr lieb und hat mir MoP und eine Gamecard geschenkt.. Jetzt werde ich noch bis Jahresende spielen können.
    Allerdings komme ich nur noch sehr selten dazu, mein Leben hat sich hier komplett geändert ^_-
    Und bei dir so?
    Lg Anika

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