Dienstag, 30. Oktober 2012

Die Arbeit..

Ich habe euch nun schon ein wenig über den Sommer in Japan berichtet, jetzt möchte ich euch ein bisschen über die Arbeit erzählen..






Ich bin als Gärtnerin in Japan. Das ist äußerst ungewöhnlich. Jeder vermutet, dass ich in Deutschland studiere und hier nun Auslandssemester mache.
Inzwischen kann ich mich was das angeht aber relativ gut verständlich machen.

Die Firma, in der ich arbeite, ist eine Gartenbaufirma. 
Sie kümmert sich leider weniger um Privatgärten als um öffentliches Grün, aber auch das kann sehr spannend sein.
In Deutschland hatte ich bis dahin nur im Botanischen Garten gearbeitet. So vielseitig die Pflanzenwelt dort war, so habe ich dort nichts halbes und nichts ganzes gelernt. Meine Ausbildung bestand im Prinzip aus einer Hälfte Staudengärtner und zur anderen aus Garten- / Landschaftsbau. Beides habe ich nicht intensiv gelernt. Deshalb kommen mir hier jetzt viele Dinge bekannt vor, aber ich lerne auch sehr viel Neues.
Die ersten Monate war ich fast ausschließlich der Kōen-kanri Truppe zugeteilt. Sie besteht eigentlich aus zwei Leuten, aber am Anfang waren wir oft zu viert unterwegs, später nur noch zu dritt.
Um die Kōens und diesen Arbeitsplatz zu verstehen, muß ich erstmal erklären was sie sind und wie sie genutzt werden.
Kōen bedeutet übersetzt einfach "Park". Nun sind sie aber nicht unbedingt das was wir Deutschen uns unter einem Park vorstellen.. Die meisten Kōen würden wir als Kinderspielplätze bezeichnen.
Sie sind kleinere oder größere Freiflächen mit ein paar Bäumen und Büschen, Schaukeln, Klettergeräten, Sandkisten und Bänken. Auf manchen findet man auch Rasen, auf anderen nicht.
Diese Kōen werden nun wirklich vielfältig genutzt. Morgens früh essen dort gerne Angestellte auf dem Weg zur Arbeit ihr Frühstück und lesen Zeitung. Oder Erwachsene legen während des Joggens ein Päuschen dort ein. 
Gegen 9h kommen die ersten Mütter mit ihren Kindern in die Parks. In Japan ist es noch üblich pro Familie zwei Kinder zu haben, weshalb es noch sehr viele Kinder gibt. Zumindest kommt es mir so vor als gäbe es hier mehr Kinder als in Deutschland. Genaue Vergleiche habe ich mir nicht angesehen.
Gegen Mittag gehen die Mütter mit den Kindern wieder nach Hause um dort zu essen. Nun kommen als allen Ecken Angestellte aus nahe gelegenen Firmen oder Bauarbeiter oder sonstige Leute, die draußen arbeiten. Jetzt beginnt die Jagd nach den besten Bänken im Schatten, denn all diese Menschen möchten gerne im Grünen ihr Mittag essen. Die Japaner bezeichnen sich selbst als äußerst naturverbunden und naturliebend, weshalb sie auch den kleinsten Flecken Grün nutzen. Außerdem werden zur Mittagszeit die Straßen an den Parks komplett zugeparkt, denn es wird gerne ein Mittagsschläfchen gehalten.
Nach dem Mittag tauchen wieder die Mütter mit den Kindern auf. Auch Kindergartengruppen nutzen die Kōen regelmäßig. Gegen 15h endet die Grundschule. Viele Schulbusse haben eine Haltestelle an einem Park und natürlich wird noch ein wenig dort gespielt bevor es für die Schüler nach Hause geht. Später am Nachmittag kommen auch größere Kinder in den Park um sich mit Freunden zu treffen, Insekten zu fangen und sich sonst wie zu vergnügen. Immer wieder kommen auch Erwachsene in dorthin um eine kurze Pause einzulegen. 
Am Abend gehört der Park dann schließlich den Teenagern, Oberschülern und sonstigen Draufgängern, die gerne Bier trinken und Spaß haben.
Kōen sind außerdem sehr praktisch wenn man auf die Toilette muß, einen Mülleimer sucht oder schnell zwischendurch einen Schluck Wasser trinken möchte. In jedem größeren Park gibt es eine Toilette und einen Wasserspender mit kostenlosem Trinkwasser. 
Da Japaner Grün und Kinder lieben, investieren sie nun auch Geld in die Pflege der Anlagen. Und nun kommt meine Arbeitstruppe ins Spiel.. 
Wir haben 10 Parks zwischen Firma und einem Bahnhof betreut. Alle sind unterschiedlich groß und unterschiedlich ausgestattet.
Montags, Mittwochs und Freitags sammelten wir den Müll ein. Vor allem Montags gibt es dort sehr viel zu tun. Meist haben wir 10kg PET-Flaschen, Dosen und Sperrmüll weggebracht und 120kg normalen Müll. An besonders schlimmen Tagen hatten wir aber zusammen mit Grünabfällen gerne mal insgesamt über 300kg. Entsorgt wird das Ganze im Cleancenter, einer Mischung aus Zwischenmülldeponie und Recyclinghof.
Montags wird dann noch geharkt oder gefegt, je nach Park. Auch im Sommer fallen genug Blätter und Äste von den Bäumen, so dass wir immer gut ausgelastet waren. Zu den übrigen regelmäßigen Arbeiten gehört das Fräsen der Sandkästen, Rasenmähen, Krauten, Gehölze schneiden und Reinigen der Abflüsse.
Im Prinzip ist man also mindestens 3x die Woche in allen Parks, oft häufiger, und bringt sie in Ordnung.


Diese intensive Pflege macht die Kōen wirklich zu Orten, an denen man sich gerne aufhält. Von ein paar Ausnahmen mal abgesehen..

In letzter Zeit war ich aber so gut wie gar nicht mehr in den Kōen und dafür mit anderen Arbeitsgruppen unterwegs. Etwas, das mir großen Spaß gemacht hat, war das Mähen der Uferbereiche des Kuromegawa-Flusses.
Die Ufer werden drei Mal im Jahr gemäht, vielleicht bekomme ich sogar alle drei mit.. 
Das erste Mal, als ich dabei war, war im Hochsommer. Es waren also immer über 30 Grad und es gibt dort keinen Schatten..
Trotzdem habe ich nur einmal schlapp gemacht. Danach habe ich begonnen drei Liter und mehr während der Arbeit zu trinken und ab dem Moment ließ sich das alles gut aushalten. Zumindest so lange ich meinen Strohhut hatte.
Meine Aufgabe bestand nun darin mit dem Freischneider all die Stellen zu mähen, an die die große Mähmaschiene nicht herankam. Oft waren wir zu dritt damit beschäftigt. Später wurde das Heu dann maschinell zu langen Reihen umgeschichtet, die wir per Hand zu Haufen auftürmten und in das firmeneigene Müllauto luden. Aber damit war die Arbeit noch nicht getan. Da die Ausschreibung von einer öffentlichen Stelle ausging, mussten alle möglichen Fotos als Beleg für die getane Arbeit gemacht werden. Das beinhaltete Fotos von vorher, während der verschiedenen Arbeiten, und nach der Arbeit mit einem Zentimetermaß, dass beweisen sollte, dass wir das Gras auf eine bestimmte Länge gemäht hatten. Dann wurden noch die Ufer vermessen, also die Breite, die wir gemäht hatten, das machte oft auch noch mal 3 Fotos, da es sich bei den Ufern um einen Damm handelt. Oft 2 Schrägen und eine gerade Fläche. Fotografiert wurde alle 60m auf einer Länge von einigen Kilometern. Genaue Zahlen habe ich nicht, aber angefangen haben wir bei Zahl 64 und aufgehört ca. bei Zahl 122, wobei zwischen jeder Zahl etwa 15m liegen sollten. Das Ganze natürlich x2, weil wir beide Ufer gemäht haben.
Jetzt im Herbst bin ich grade das zweite Mal dabei. Für meine Kollegen ist es das dritte und letzte Mal dieses Jahr.



Ansonsten kümmert sich meine Firma noch um diverse Grünstreifen an den Straßen von Asaka. An der Hauptstraße entlang wächst zum Beispiel auf 7km eine Azaleenhecke, die geschnitten werden muß. Gleichzeitig wird dann dort gekrautet.
Im Herbst geht außerdem die Saison los, in der Bäume geschnitten werden. Das läuft in Japan etwas anders als in Deutschland.. Hier herrscht fast immer ein Platzproblem, weshalb die Bäume sich nicht frei entfalten dürfen. Sie werden fast alle in eine möglichst schmale Form gezwungen. Das bedeutet, dass sie jedes Jahr so sehr gestutzt werden, dass sie danach fast keine Blätter mehr haben. Wenn sie aber wieder neue Triebe gebildet haben, hat diese Wuchsform auch durchaus etwas für sich. In Gärten mag ich diese Form der Bäume vielleicht sogar lieber, während ich an Straßen und in Parks doch eher die wilde Wuchsform bevorzuge. Die Ginkgos an der Hauptstraße sehen einfach nur traurig aus..

Ein anderer großer Arbeitsbereich ist die Pflege einer Universität.
In Japan gibt es neben den großen Universitäten wie der berühmten Todai auch viele kleine (private) Unis. 
Meine Firma kümmert sich um eine dieser Kleinen. Sie gehört zu einem ganzen Schulkomplex.
In Japan gibt es die Grundschule, die Mittelschule, Oberschule und Universität. Um auf die nächste Schule zu kommen muß man normalerweise Aufnahmeprüfungen bestehen.
An diesen Privatschulkomplexen mit angeschlossener Universität entfallen diese Prüfungen normalerweise. Der Campus unserer Uni besteht nun aus vier unterschiedlichen Geländen. Außerdem kümmern sich noch drei Angestellte um das Gelände der Grundschule. Bei der Mittelschule und Oberschule war ich bis jetzt noch nicht. Ich habe keine Ahnung ob sich unsere Firma auch darum kümmert..
Dafür aber um den 1 1/2 Stunden entfernten großen Sportplatz der Schule.

In Privatgärten kommen wir auch ab und zu, aber eher selten..
Je nachdem mit welcher Truppe man unterwegs ist, läuft die Arbeit anders ab. Entspannt ist sie aber eigentlich immer.
Ich arbeite von halb 8 bis 17h. Während dieser Zeit gibt es drei Pausen. Die erste um 10h, Mittagspause von 12-13h und die dritte um 15h. Dadurch gliedert sich der Tag in schöne kleine Portionen und während ich in Deutschland Probleme hatte bis 15h zu arbeiten, habe ich durch diese Pausenaufteilung absolut kein Problem bis 17h durchzuhalten.


Wahrscheinlich liegt es daran, dass hier die Pausen länger sind. In Deutschland hatte ich insgesamt 45min Pause und die Frühstückspause war auch nur eine Nettigkeit der Vorgesetzten. Hier habe ich ganze zwei Stunden Pause. In der langen Mittagspause  lohnt es sich sogar sich hinzulegen und zu schlafen. Das sieht dann ganz lustig aus, wenn meine Kollegen und ich es uns an  den lustigsten Stellen bequem machen.. 
So liegen wir auf Rasen in Privatgärten, in Kōen auf Bänken, im Tempel an einer Hauswand oder auf Belüftungsschächten der Universität. Und das Schönste, es stört absolut niemanden, denn es ist normal, das macht hier jeder, der keinen Autositz zur Verfügung hat.
Was übrigens meine Kollegen angeht.. Es hält sich ja die Meinung, Japaner seien immer höflich und sehr kultiviert.. Ja, meine Kollegen sind sehr höflich und kultiviert können sie auch sein, aber ehrlich gesagt sehe ich bei ihnen keinen Unterschied zu deutschen Handwerkern.
Sie haben von Anfang an in Umgangssprache mit mir gesprochen, haben keinerlei Kontaktprobleme und scherzen ganz normal mit mir. 
Es ist einfach super! Außerdem streben Japaner ein hohes Maß an Harmonie an. Man bekommt also niemals einen Streit zwischen den Kollegen mit. Natürlich wird hinter den Rücken gelästert, aber man merkt nie etwas von einer drückenden Stimmung bei der Arbeit. Das macht das Klima sehr angenehm. Möglicherweise bin ich hier der Störenfried, weil ich es nicht immer verbergen kann, wenn ich mal meine Ruhe haben möchte..
Aber, dank dem Streben nach Harmonie bekomme ich es nicht mit, wenn sie sich über mich ärgern. Was natürlich wieder zu dem Problem führt, dass ich eventuelles falsches Verhalten nicht ändern kann, weil mich niemand darauf hinweist..  
Wie man sieht, alles nicht unbedingt leicht, aber ich habe meine Kollegen alle gern!
Es gibt allerdings zwei Kollegen, die nicht so ganz wissen wie sie mit mir umgehen sollen. Hier merkt man ganz klar die Distanz. Es sind beides Absolventen einer Agrar-Universität. Jetzt könnte ich natürlich Vermutungen anstellen was das Verhalten mir gegenüber und die Art der Abschlüsse anbelangt..

Ich hoffe ich konnte euch ein bisschen was Interessantes über meine Arbeit in Japan und das ein oder andere Drumherum berichten.
Es ist aber wirklich ein subjektiver Bericht und kann sicher nicht auf alle Gartenbaufirmen angewandt werden.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Wind (Der dunkle Turm)

Infos zum Buch:
Wind
von Stephen King
Verlag: Random House Audio
Laufzeit: 11Std (ungekürzt)
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN: 3837115410
13,99€ bei Amazon
Klappentext:
Ein Sturm zieht auf

Roland Deschain, der letzte Revolvermann, und seine Gefährten haben den Grünen Palast hinter sich gelassen. Als sie auf dem Pfad des Balkens ins Land Donnerschlag unterwegs sind, zieht ein heftiger Sturm herauf, und sie finden Schutz in einer verlassenen Hütte. Dort erzählt Roland seinen Begleitern, was in seiner Jugend geschah, nachdem er unbeabsichtigt seine Mutter umgebracht hatte: Sein Vater schickte ihn zu einer entlegenen Ranch, wo grausame Morde stattfanden. Alle Anzeichen deuteten auf einen Gestaltwandler als Täter hin, und es gab nur einen Zeugen – einen kleinen Jungen, der jetzt seines Lebens nicht mehr sicher war.
[Quelle: Amazon]

Auch wenn "Wind" als Band 8 bezeichnet wird, so ist es keine Fortsetzung von Band 7 "Der Turm".
Es ist eine kleine Zwischenepisode zwischen "Glas" und "Wolfsmond".
Wenn ich mich recht erinnere wurde damals angekündigt, dass in diesem Buch erzählt werden sollte, was passiert bevor Roland mit seinem Ka-Tet, nach Calla Bryn Sturgis kommt. Jedoch ist das ziemlich übertrieben.

Roland, Susannah, Jake, Eddie und Oi suchen Schutz vor einem Sturm, der mehrere Tage dauern wird. Während sie auf sein Abflauen warten, erzählt Roland eine Geschichte aus seiner Jugend.
Er wurde von seinem Vater losgeschickt um den Fellmann zu töten. Dabei trifft der junge Roland auf einen kleinen Jungen und erzählt diesem die Geschichte "Der Wind durchs Schlüsselloch".

Dieses Buch ist also eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte.
Zuerst hatte ich große Probleme mich wieder in diese Serie einzufinden. Die Charaktere kamen mir unbekannt vor, obwohl ich sie schon durch sieben Bücher begleitet habe. Erst als Roland anfing die Geschichte zu erzählen fühlte ich mich wieder heimisch. Ab diesem Moment war ich wieder voll in der Welt des dunklen Turms.
Die beiden Geschichten waren toll zu hören und haben mich mitgerissen. Ich musste unbedingt wissen wie das alles weitergeht, weshalb ich das Hörbuch in Rekordzeit gehört habe. Ich habe es sogar angestellt wenn ich wusste dass ich es in zwei Minuten schon wieder ausstellen musste..
Schade fand ich lediglich dass man von der Reise zwischen Glas und Wolfsmond jetzt doch nichts mitbekommen hat, da der Hauptteil der Handlung eben in einem Steinhaus während des Sturms spielt. Sobald dieser vorbei ist, endet auch das Buch.

Da inzwischen David Nathan die Bücher von Stephen King vertont, wurde auch Wind von ihm gelesen. Ich habe bis jetzt nur die einstündige Hörprobe von "Es" gehört, aber der Stil, wie David Nathan beides liest, ist identisch. Ein wenig düster melancholisch. Dadurch verstärkte sich bei mir das Gefühl nicht in der Welt von Roland zu sein, da ich diese Art des Vorlesens mit "Es" verbinde.
Eigentlich mag ich David Nathan sehr, vielleicht lieber als Sprecher bei Hörspielen, aber hier habe ich Vittorio Alfieri vermisst.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

[In eigener Sache] Räubermarie bei Dawanda

Hallo^^


Heute muß ich mal wirklich sehr vom Thema abweichen, aber meine Schwester hat einen Shop bei Dawanda eröffnet.

Sie verkauft dort selbst gestrickte Kuscheltiere für Babys, die einfach nur süß sind! Mein Neffe ist selber grade knapp 1 Jahr alt, weshalb ich guten Gewissens sagen kann, dass alle Produkte kinderfreundlich und diesbezüglich getestet sind ^_-

Vielleicht hat ja der ein oder andere Lust bei ihr vorbei zu schauen.

Alle Produkte von Raeuber-MaRie

Sonntag, 7. Oktober 2012

Japanischer Sommer

Lange habe ich hier nichts mehr über mein Leben in Japan geschrieben. Das möchte ich nun nachholen.

Ich bin jetzt ein halbes Jahr hier und es ist in der Zwischenzeit einiges passiert.
Ich werde den Eintrag ein wenig gliedern. Wenn mir beim Schreiben auffällt, dass ich zu allen Themen sehr viel zu sagen habe, teile ich ihn vielleicht in mehrere Beiträge auf.

Da nun der Herbst anfängt, beginne ich mal mit einem kleinen Rückblick auf den Sommer.
Der Sommer in Japan ist wirklich warm! Soviel kann ich euch sagen.
Wer mal wieder einen Richtigen erleben möchte, mit ganz viel Sonne und wenig Regen, kann getrost nach Japan reisen. Ich denke, die Flüge werden zu dieser Zeit auch billiger sein, denn freiwillig tut sich das kaum jemand an.
Schon im Mai war es mir eigentlich zu warm. Es waren da noch um die angenehmen 24 Grad, aber weil ich gerade aus dem kalten Deutschland kam, empfand ich es als tierisch warm.
Ich zwang mich dazu morgens noch einen Pulli zu tragen, in der Hoffnung meinen Körper so schonmal ein wenig auf die Hitze im Sommer vorbereiten zu können. Spätestens um 10h musste ich ihn aber immer ausziehen.
Langsam aber sicher fingen die Temperaturen an auf die 30 Grad zu zu klettern. Inzwischen hatte ich mich damit abgefunden zu schwitzen und kümmerte mich gar nicht mehr sonderlich drum.
Ich muß bei der Arbeit in langärmligen Sachen arbeiten. Also lange Arbeitshose, langärmliges Top. Man gewöhnt sich daran. Ich hatte wirklich gedacht, dass mir der Sommer und die Arbeit mehr Probleme bereiten würde. In Deutschland habe ich die Hitze schon nicht gut vertragen und hier sollte es locker an die 40 Grad heiß werden..
Wurde es auch. Ich habe ab und zu bei 37/38 Grad den ganzen Tag in der prallen Sonne arbeiten müssen. Mein Geheimnis: ein Strohhut mit sehr breiter Krempe und gaaaanz viel trinken!
Da mir bei diesem Wetter auch der Appetit etwas vergangen ist, habe ich nebenbei auch mal eben 6kg abgenommen. Inzwischen bin ich meinem Wunschgewicht relativ nah. Ich liebe den japanischen Sommer!
In meiner Freizeit war die Hitze allerdings mehr als nervig. Das Haus, in dem ich wohne, liegt in einer Senke. Egal wo ich hinfahre, ich muß erstmal bergauf. Und der Berg ist, typisch für Japan, ziemlich steil. Bevor ich also überhaupt am Bahnhof ankam, war ich schon wieder total verschwitzt..
Ein ziemlich blödes Gefühl, wenn man sich noch mit anderen Leuten treffen möchte. Große Abhilfe gibt es hier nicht. Bei der Arbeit war es ja ziemlich egal wie sehr man geschwitzt hat, denn das haben alle und danach wartete jeden Tag eine Dusche auf mich.
Aber, es gibt auch für die Freizeit einige Tricks, einen lernte ich leider erst zu spät kennen..
Zuallererst laufen alle! Japaner mit einem kleinen Tuch in Waschlappenformat herum. Oft auch aus dem gleichen Material wie diese.
Dieses Tuch dient dazu sich das Gesicht abzuwischen. Das war eins der ersten Dinge, die ich mir besorgt habe.
Die nächste Überlegung waren dann ausschließlich dunkle Tops und möglichst Hosen oder Röcke zu tragen, die ihre Farbe nicht verändern wenn sie feucht werden. Schnell kam ich aber noch auf eine andere Idee. Ich hatte weite luftige Oberteile ergattert unter die ich einfach noch ein Tanktop anzog. So fühlte ich mich wirklich am wohlsten.
Im Sommer lernte ich auch meine japanischen Freunde kennen.
Eine Bekannte, die ich in Deutschland beim Sprachkurs getroffen hatte, hielt sich auch gerade in Tokyo auf und überredete mich zum "Tanz in den Sommer" in der Deutschen Botschaft zu kommen. Eigentlich hatte ich wenig Lust dazu. Ich tanze überhaupt nicht gerne und der Spaß sollte auch noch umgerechnet etwa 30€ kosten. Allerdings lockte mich das Buffet, ich hatte seit langer Zeit kein richtiges Essen mehr gegessen.. Meist nur Salat und Kleinigkeiten aus dem Konbini. Viel gegessen habe ich letztendlich nicht vom Buffet, dafür gezwungenermaßen an zwei Tänzen teilgenommen (ein Tanz von AKB48, bei dem ich aber schnell aufgab, und einer Polonaise). Als es ans Walzer tanzen ging, versteckte ich mich in der äußersten Ecke im tiefsten Schatten, weil ich absolut keine Lust hatte eventuell aufgefordert zu werden. Dort entdeckte mich meine nun Freundin und Tandempartnerin..
Sie sprach mich an, fragte mich ein wenig aus und erkundigte sich, ob ich Interesse hätte Tandem mit ihr zu machen. Ich sollte zu dem Zeitpunkt nur noch für drei Monate in Japan sein, stimmte aber zu.
Nun wollte sie mir noch unbedingt einen Freund von sich vorstellen und zog mich in Richtung Tanzfläche.. Zu meinem Glück verstummte die Musik im richtigen Augenblick und meine neue Freundin war sichtlich enttäuscht. Ich nicht..
Trotzdem kam ich letztendlich nicht drum herum. Mir wurde, als die Party für beendet erklärt war, ihr Freund noch vorgestellt. Im Prinzip wurden wir uns so zweimal vorgestellt, denn meine Bekannte aus Deutschland hatte uns schon miteinander bekannt gemacht.
Jetzt musste ich auch leider nochmal auf die Tanzfläche.. Dieser Japaner findet Standardtänze nämlich wahnsinnig toll und meine Tandempartnerin hat mich dazu gezwungen mit ihm Walzer zu tanzen. Ich habe bis heute die Fotos davon nicht zu Gesicht bekommen und weiß auch nicht ob ich das möchte..

Der August bot dann kaum noch Möglichkeiten uns zu treffen, da wir beide Urlaub hatten. Aber ich wurde kurzfristig zu einem Matsuri in ihrem Stadtteil eingeladen. Eine Freundin von ihr aus der Schweiz war auch gerade da und so wollten wir zu dritt, stilecht im Yukata, zum Schrein gehen und bei den Bon-Tänzen mitmachen.
Kaum war ich in der Wohnung meiner neuen Freundin, hieß es noch der Freund aus der Botschaft würde auch kommen. Wir mussten unsere Yukatas anlegen bevor er kam, denn sie hat nur eine sehr offene Einzimmerwohnung. Es war das erste Mal, dass ich einen Yukata trug und es war wirklich spannend und toll. Aber.. Europäerinnen stehen Yukata wirklich nur selten >.<
Im Laufe des Abends erfuhr ich noch, dass meine Freundin den Freund aus der Botschaft gerne als Bruder bezeichnet. Beides sind Einzelkinder und haben sich ihr Geschwisterkind selbst gesucht.
Außerdem kennt er sehr viele Baumnamen und er versprach mir beim Lernen zu helfen.
So traf ich mich ab und zu mit ihm oder ihr oder auch gerne mit beiden zusammen. Im September verging kaum ein Wochenende an dem ich keinen von beiden sah. So verbrachten wir zum Beispiel einen Spontanausflug in der Präfektur Chiba und liefen einfach planlos durch die Reisfelder. Angeblich sind Japaner überhaupt nicht spontan, aber mit diesen beiden kann man das Gegenteil erleben! Außerdem starteten wir die Kochpartys zu einem bestimmten Thema. Bei der ersten sollte chinesisch gekocht werden und der Abend endete sehr gemütlich bei Kerzenschein und einer Kartenspielpartie auf dem Dach irgendeines Hauses.

Da aber Tokyo nicht weit vom Meer entfernt ist und auch die Berge nah sind, verbrachte ich den Sommer auch dort.
Ich fuhr einmal alleine in die Touristenhochburg Kamakura und holte mir dort den Sonnenbrand des Sommers und traf mich zweimal mit meinem neuen Freund in Hayama am Strand, da das seine Heimatstadt ist.
In die Berge fuhr ich in meinem offizielen Urlaub. Für drei Tage in die Nagano Präfektur in das Ferienhaus eines Kollegen. Wir waren fünf Leute aus der Firma und einer von ihnen hatte noch seine Frau und zwei Kinder mitgebracht. Wir hatten sehr viel Spaß! Zwei Tage später fuhr ich alleine mit einem Leihfahrrad und Zelt beladen in die Gunma Präfektur zum Mount Haruna. Auf Grund seiner Form wird er auch gerne "Little Fuji" genannt. Die Landschaft dort war wunderschön, leider hatte mir nur das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn im Gegensatz zu Saitama regnete es in Gunma häufiger.. So steckte ich beispielsweise mitten am Berg plötzlich in einem Gewitter fest.. Es fing gegen halb 4h an und ich wollte es aussitzen. Irgendwann gab ich auf, das war auch gut so, denn es hörte erst irgendwann mitten in der Nacht auf.. So kam ich völlig durchnässt beim Campingplatz an und musste auch noch im Regen und Dunkeln mein Zelt aufbauen..
Trotzdem war es eine tolle Erfahrung ganz alleine durch das Land zu reisen.
Mein Japanisch ist ja noch wirklich, sehr schlecht, aber ich kam zurecht!
Was auch untrennbar zum japanischen Sommer gehört sind die Semi und die Windglöckchen. Während sich viele über die Semi beschweren finde ich sie total toll. Ich konnte mich gar nicht an ihnen satt hören. Vor allem die Minmin Semi hat es mir angetan.
Die Windglöckchen hängen auf ganz vielen Balkonen. Es sind kleine Glocken meist aus Glas und am Band hängt unten ein größeres Kärtchen, dass die Glocke für Wind noch anfälliger macht. So bimmelt es schon im leichten Wind in hohen Tönen. Dieses Geräusch soll den kühlenden Wind ins Gedächtnis rufen und somit für Abkühlung sorgen.
Ich finde den Klang einfach nur wunderschön. Leider habe ich kein Glöckchen gefunden, das mir vom Design her gefiel und so werde ich nur meine Miniversion aus dem 100¥ Shop mitnehmen, die nicht richtig funktioniert.

Leider gab es auch nicht so erfreuliches im Sommer, wenn es auch eher nur Lappalien sind.. Zum Beispiel tummeln sich in den Koen (dazu mehr im Kapitel Arbeit) mehr Katzen. Das ist ja eigentlich ganz süß, wenn nicht der ganze Spielplatz nach Katzenscheiße stinken würde.
Dann gibt es im Sommer noch Taifune. Ich habe bis jetzt zwei erlebt und der zweite war schon besser auszuhalten als der erste. Mein erster Taifun hat mich nicht schlafen lassen.. Ich war den Abend sogar noch draußen weil mein Gastvater mit mir Glühwürmchen angucken wollte (sie waren in einem Gewächshaus, das war also ok), aber der Wind hat dann später derart ums Haus gepfiffen, dass er mich immer wieder geweckt hat.
Und es gibt die Mücken...
Sie lieben mich.. abgöttisch.. Überall wo Mücken sind, und sie sind an den seltsamsten Orten, bin ich sofort von einer schwarzen Wolke umgeben.
So war ich beispielsweise mit meinem Freund (nicht falsch verstehen, er ist nur ein Freund ^_-) im Botanischen Garten. Wir hatten zwar Anti-Mücken-Spray, es wirkte bei mir aber überhaupt nicht. So sprang er die ganzen Zeit um mich herum und schlug die Mücken wahlweise mit seinem Baumbestimmungsbuch oder meiner Baumliste tot.. Später waren beide Dinge komplett rot gesprenkelt und ich habe zu Hause sehr schnell aufgegeben die Stiche zu zählen. Aber es waren sehr sehr viele!
Leider wird es in Tokyo auch schon im Sommer sehr früh dunkel. Das war das, was mich am meisten irritiert hat. Gegen 6h fing es an und um 7h war es zappen duster. Absolut gewöhnungsbedürftig. Ich bin gespannt wie ich dann mit dem Winter zurecht komme, wenn ich bis zum Sonnenuntergang arbeiten muß. Schon jetzt fängt es an gegen halb 6 dunkel zu werden. Die Zeit, zu der ich meistens die Firma verlasse..
Und das letzte Übel des Sommers sind die Pickel. Ich habe hier derart viele bekommen, das war schon nicht mehr schön. Obwohl ich hart auf die 30 zugehe, war ich vorher schon nicht ganz Pickelfrei, aber hier.. Oh man..
In Deutschland habe ich schon kaum Süßigkeiten gegessen, in Japan habe ich ihnen komplett abgeschworen. Wenn ich hier Schokolade esse, ist alles aus.
Was das angeht freue ich mich wirklich auf niedrigere Temperaturen in der Hoffnung, dass sie wieder auf ein normales Maß absinken.

Wie ihr seht war mein Sommer sehr abwechslungsreich und schön. Und weil die Bilder dazu jeden Post gesprengt hätten, habe ich einfach mal eine Diashow gemacht.
Wahrscheinlich funktioniert die erste Version nicht, wenn man in Deutschland wohnt, dann bitte die zweite ansehen.
Die erste hat aber eindeutig meine favorisierte Musik im Hintergrund ^_-



Ps. Solltet ihr irgendetwas über Japan oder das Leben hier wissen wollen, scheut euch nicht fragen zu stellen ^_-